Der erste Rettungsanker hat nicht gegriffen

Rugby-Europameisterschaft: Deutschland verlor in Belgien mit 3:18 –

Nun wird die deutsche Rugby-Nationalmannschaft doch bis zum Finaltag am 15. März in Madrid um den Klassenverbleib in der Division 1 der Europameisterschaft bangen müssen. Denn der am Samstagabend in Mons geworfene erste Rettungsanker hat nicht gegriffen, das letzte Gruppenspiel in Belgien haben die Deutschen mit 3:18 (3:5) verloren und dabei eine schlechte Leistung gezeigt. Entsprechend enttäuscht war Nationaltrainer Mark  Kuhlmann (Heilbronn), der sein Team für „undiszipliniertes Spiel und sehr viele Fehler“ kritisierte und feststellte: „Wer in 80 Minuten 23 Straftritte gegen sich erhält, kann nicht gewinnen – auch wenn die Belgier deutlich schwächer waren als vor einem Jahr in Kassel.“
Nun müssen die Deutschen am 7./8. März im Überkreuzspiel um die EM-Plätze 5 bis 8 in der Schweiz antreten, die gestern gegen die Niederlande mit 29:23 gewann.

Ein Resultat der vielen Abseitsstellungen und Bodenspiele der deutschen Stürmer war die Zeitstrafe, die der georgische Schiedsrichter Shota Tevzadze in der 54. Minute beim Stande von 3:8 als Sammelbuße gegen den deutschen Kapitän Justin Renc verhängte. Zehn Minuten in Unterzahl gegen einen im Sturm ohnehin starken Gegner zu spielen, verjagte jegliche Aussicht, das Ergebnis noch zu drehen. 
Die Belgier waren – was Mark Kuhlmann auch nicht fassen konnte – im Gassenspiel überlegen, was ihnen mit zahlreichen Ballgewinnen die Möglichkeit bot, mit ihnen bekanntermaßen starken Paket viele Meter nach vorne zu drängen. Nach einer Viertelstunde, in der die in Rot spielenden Schwarzen Adler konsequent verteidigten, warf sich Erste-Reihe-Stürmer Jean-Baptiste Declercq, ein schwerer und fast quadratischer Muskelmann, zum Versuch und 5:0 über die deutsche Mallinie. Dem setzte Schlussmann Christopher Hennig zwei Minuten vor der Halbzeitpause einen Straftritt zum 5:3 entgegen. Es war für die deutsche Fünfzehn die einzige Möglichkeit im gesamten Match, Punkte zu erzielen. Eine Versuchschance gab es nicht, weitere Straftritte auch nicht, und in der zweiten Halbzeit, als
die zahlreichen deutschen Fans unter den 3000 Zuschauern auf einen Führungswechsel hofften, kamen die Deutschen nie in die belgische Spielhälfte.

Auch weil die guten Stürmer Andrew Reintges und Shawn Ingle früh mit Verletzungen ausscheiden mussten, wurde der belgische Angriffsdruck immer höher. Zunächst nutzte Verbindungshalb Guillem Fernandez Grau einen Straftritt zum 8:3 (47.), ehe Declercq (55.) und Bruno Vliegen (76.) mit zwei weiteren Versuchen die deutsche Niederlage besiegelten.
Außerdem waren das Kickspiel der Deutschen, die den Belgiern zahlreiche Konter ermöglichten, kritikwürdig und die Vorwürfe im Angriff ungewöhnlich zahlreich.
Am dritten Spieltag des Sechs-Nationen-Turniers hat Titelverteidiger Frankreich die Tabellenführung durch einen 33:8-Sieg über Italien ausgebaut. Die Mannschaft von Trainer Fabien Galthié hatte einige Mühe, die aufmerksame Defensive der Italiener auszuspielen, erzielte aber fünf Versuche durch Louis Bielle-Biarrey, Emanuel Meafou, Thomas Ramos, Neuling Gael Drean und Emilien Gailleton. Den Rest besorgte Ramos per Kicks. Italien buchte einen Versuch durch den in Grenoble aufgewachsenen und für Toulouse spielenden Schlussmann Ange Capuozzo und einen Straftritt von Paolo Garbisi, den Spielmacher des RC Toulon.
England wurde im Home of Rugby vor 82000 Zuschauern in Twickenham von den entfesselt aufspielenden Iren völlig fertiggemacht und verlor mit 21:42 (7:22), während Schottland in Cardiff gegen stark verbesserte Waliser in den Schlussminuten mit 26:23 (6:17) gewann.
Irland führte zwischenzeitlich mit 29:7 und hatte seinen Dreh- und Angelpunkt in Gedrängehalb Jamison Gibson-Park.

Deutschland: Hennig – Hamilton-Strong, Plümpe, Dawe, Dixon (61. Lammers) – L. Wolf, Paine (46. M. McDonald) – Ingle (44. Ireland), Stein (55. Rayan), Renc (Kapitän) – Rees, Ball – Zymvragos (62. Howells), Reintges (44. Ferrar), Mizera (62. D. Wolf).

Rugby Sechs-Nationen-Turnier
England – Irland 21:42
Wales – Schottland 23:26
Frankreich – Italien 33:8
Tabelle: 1. Frankreich 15, 2. Schottland 11, 3. Irland 9, 4. England 5, 5. Italien 5, 6. Wales1.

Europameisterschaft, Division 1
Gruppe A
Georgien – Spanien 42:30
Schweiz – Niederlande 29:23
Tabelle: 1. Georgien (TV) 15, 2. Spanien 10, 3. Schweiz 4, 4. Niederlande 1.
Gruppe B
Belgien – Deutschland 18:3
Portugal – Rumänien x:x
Tabelle: 1. Portugal 10, 2. Rumänien 5, 3. Belgien 5, 4. Deutschland 4.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner